Wir haben nur noch einen Hund

Mehrere Hunde in einem Haushalt.
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Moderator: BeagleFriends-Team

Gast

Wir haben nur noch einen Hund

#1

Beitragvon Gast » 17.08.2014, 16:29

Beitrag von Gast »

Hallo ihr Lieben,

viele kennen mich sicher gar nicht, aber einige Alteingesessene erinnern sich eventuell noch an mich. :smilie:
In den letzten Monaten hatte ich Hemmungen hier etwas zu schreiben, ohne vorher darüber "aufgeklärt" zu haben, dass wir nur noch einen Hund haben. Mittlerweile bin ich standfest genug, um in der Kurzfassung darüber zu schreiben. Bitte verzichtet darauf, meinen Beitrag mit Sätzen wie "Aber hättest du nicht..." - dafür bin ich noch nicht stark genug und es erfordert Kraft, mir nicht selbst täglich diese Frage zu stellen. Überdies ist es nun auch nicht mehr sinnvoll.
Unser English Springer Spaniel Renfield lebt seit April in Niedersachsen, bei einem wundervollen neuen Frauchen, die ihm ein schönes Leben bereitet. Er hat jetzt sogar seinen eigenen Garten - was er bei uns nicht hatte - und sie arbeitet vor allem viel in der Dummyarbeit mit ihm. Ungefähr alle drei Tage schreibt sie mir und schickt mir Fotos. Und gleich vorab: Roan geht es auch wieder sehr gut.

Alles begann vor vielen Monaten. Eigentlich war alles hier zwischen den beiden und uns Menschen geklärt. Abgesehen von Futterneid, gab es keine wirklichen Konflikte und den Futterneid konnten wir in den Griff bekommen durch feste Fütterungsrituale. Renfield verhielt sich in den meisten kleinen Konfliktsituationen des Alltags recht devot. Auch gegenüber anderen Hunden, wenn diese ihn vermeintlich angriffen.
Eines Abends auf dem Hundeplatz machte ihn ein pubertierender Manchester Terrier an und er wehrte sich zum ersten Mal. Allerdings derartig stark, dass er von selbst nicht mehr ablassen wollte. Ich war sehr verwundert. Kurze Zeit später griff er Roan an, weil er sich durch eine zufällig entstandene Situation (nicht durch Roan ausgelöst) eingeengt fühlte. Er lies nicht mehr von ihm ab. Insgesamt griff er Roan vier mal an. Beim letzten Mal (nach zwei Monaten komplett ohne Konflikte) erwachte er aus dem Schlaf und stürzte sich auf Roan um ihn totzuschütteln. (Nein, ich übertreibe nicht - ich habe schon einige Hunde kämpfen sehen). Sämtlichen Angriffen ging kein Knurren oder Fixieren voraus. Bei drei von vier Angriffen konnten wir + drei weitere Hundetrainer währenddessen oder im Anschluss keinen Auslöser erkennen.
Wir versuchten es monatelang mit Hausstandsregeln, Schilddrüsenuntersuchung und Co. Das einzige, was wir ausließen, war ein Kastrationschip. Nach seinen Angriffen, verhielt er sich, als wäre nie etwas gewesen. 5 Sekunden später holte er sein Spielzeug und forderte Roan oder uns zum Spielen auf, während Roan vor sich hinblutete und zitterte.
Ich könnte jetzt hier noch weiterschreiben, was wir alles unternahmen und wen wir zu Hilfe holten - aber das schaff ich nicht. Vorwürfe an mich selbst stelle ich auch ausreichend - warum ich nicht schon nach dem zweiten Mal Renfield dauerhaft einen Maulkorb tragen ließ usw.

Nach der vierten Attacke musste Roan operiert werden. Plötzlich schalteten sich Leute ein, die ich bis dato kaum kannte oder nicht so gut kannte, wie ich dachte. Fakt ist, dass Renfield der bereits vierte bekannte Hund aus der Zucht ist mit exakt dem selben Verhalten. Keiner dieser Hunde - alle älter - hat dieses Verhalten bis heute abgelegt. Keinen der Hundehalter würde ich als unerfahren bezeichnen - alle arbeiten mit ihren Hunden seit Jahren erfolgreich im Hundesport und haben meiner Ansicht nach auch Ahnung vom Zusammenleben mit mehreren Hunden. Einer dieser Hunde wird nun permanent im großen Haus räumlich vom anderen getrennt und man geht auch getrennt Gassi usw. Eine lässt es darauf ankommen ihren zweiten Hund alle paar Monate flicken zu lassen, weil sie immer wieder nach einigen Monaten denkt, das Thema wäre überstanden (sie leidet extrem und will glaub ich nicht sehen, was wirklich los ist). Und bei der dritten hat die Familie sich jetzt auf zwei Etagen auseinandergewohnt, damit die Hunde nicht mehr aufeinander treffen.
Nichts von alledem wollte/konnte ich. Meine ständigen Sicherungsmaßnahmen stressten Renfield natürlich sehr - sensible Rasse eben. Er verlor an Gewicht, was sehr auffiel, da er eh immer sehr schlank ist. Roan war fix und fertig - er war kein Beagle mehr. Er hockte oft abseits von uns und starrte vor sich hin. Mein sonst so souveräner Kerl war plötzlich extrem verunsichert - traute sich kaum noch in der Wohnung zu bewegen, auch wenn Renfield in der Box war. Auch nach vielen "netten" Wochen war er nicht so entspannt wie früher.

Kurzum: Damit beide Hunde wieder schnellstmöglich glücklich werden konnten, musste Renfield ausziehen, was letztlich recht schnell ging. Er hat es richtig toll getroffen. Im kommenden Jahr werd ich ihn besuchen.
Roan brauchte ungefähr einen Monat um wieder der Alte zu werden. Körperlich hat er nichts davon getragen, außer einiger weißer Fellstellen, wo er Narben hat. Er hatte viel Glück - gerade nach der letzten Attacke. Mein Mann und ich wurden beim Trennen auch gebissen - alles wieder verheilt. Psychisch ist bei Roan alles paletti - er ist wieder glücklich wie eh und je.

Die Züchterin ist informiert über das detaillierte Verhalten von Renfield. Was sie daraus macht, weiß ich nicht. Bei seinem neuen Frauchen kam leider auch wieder so eine Situation zustande, aber es ging sehr glimpflich aus. Dort wird er defintiv Einzelhund bleiben.

Zusammenfassend geht es beiden Hunden wieder sehr gut, meinem Mann auch und mir gehts von Monat zu Monat ein bisschen besser. Ich vermisse mein Blubbchen ungemein - für mich war er perfekt und mir fehlt das Zusammenleben mit ihm und vor allem der Hundesport sehr stark. Alles ist irgendwie ruhiger und langsamer geworden. Es gab einige böse Stimmen in dieser Zeit, aber zum Glück noch mehr Stimmen, die mir den Rücken stärkten. Letztlich wäre es meiner Meinung nach eine sehr egoistische Handlung gewesen, beide Hunde zu behalten.

Das musste ich jetzt mal loswerden, damit sich niemand wundert, wenn ich demnächst von "meinem Hund" statt von "meinen Hunden" schreibe.

Lieben Gruß,
Nicole

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#2

Beitragvon jutta » 17.08.2014, 16:55

Beitrag von jutta »

Oh Nicole, ich bin sprachlos.
Weisst du was eben beim Lesen mein erster Gedanke war, das etwas mit dem Kopf ist, Hirntumor o.ä. Dann las ich aber weiter, dass es auch andere aus der Zucht, das Verhalten zeigen. Vielleicht eine genetische Veränderung des Gehirns? Da kann man wirklich nur hoffen, dass die Züchterin reagiert und ihre Zucht überdenkt bzw. der Verband da aktiv wird.

Ein Glück gehts dem Bollerkopp wieder gut und du wirst auch bald dein Gleichgewicht wiederfinden. Ich finde, ihr habt richtig gehandelt, so ist es für alle Beteiligten das Beste. Alles, alles Gute für euch :knuddel:

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#3

Beitragvon Bine » 17.08.2014, 16:55

Beitrag von Bine »

Ach herrje Nicole... Das ist aber wirklich heftig.. :afraid: Lass dich mal :hug: das war eine
schwere Entscheidung-und eine schmerzhafte dazu...

Ich kann die Entscheidung absolut nachvollziehen. Auf Dauer wäre da wohl keine Ruhe eingekehrt, Roan wäre
die ganze Zeit gestresst gewesen und Renfield unter Dauerbeobachtung.. Das wäre für alle nicht schön geworden..
Denke, ihr habt das Richtige getan..

Dass Renfield nicht mal warnte oder ein Schema erkennen ließ, find ich schon heftig..Mensch, was ist da
wohl los in seinem Kopf..?! :gruebel: Bei der neuen Besitzerin gab es das auch schon?? Hat er sie angegriffen
oder einen anderen Hund? Ich hoffe sehr, dass sie sein Verhalten auch zukünftig gemanagt bekommt und die
beiden lange glücklich zusammen bleiben können!

Wäre echt interessant, die Reaktion der Züchterin darauf zu erfahren.. Ist ja nicht normal, dass es in ihrer
Zucht gehäuft zu solchen Austickern kommt..

Ich kann mir vorstellen, dass es dich unheimlich traurig gemacht hat, Renfield ziehen zu lassen.. :verzweifelt:
Man hängt doch dran-auch wenn er sich wie ein Berserker aufgeführt hat... Genießt euer Leben mit Roan, mit
der Gewissheit, dass es Renfield gut geht..

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#4

Beitragvon Anja » 17.08.2014, 16:59

Beitrag von Anja »

Klar kenn ich dich noch :bussi: schön, das Du zurück bist :hug:

Puh, da habt Ihr ja eine harte Zeit hinter Euch :verzweifelt:

Das ist eine Situation, die wohl niemand erleben möchte und ich glaube, die meisten hätten so wie Ihr gehandelt. Wenn ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist, dann muss man wohl oder übel einen Schlussstrich ziehen. Auch wenn es natürlich schwer fällt. Aber es ist zum Besten der Hunde und auch zum Besten für die Menschen.
Auch ich hätte es auf Dauer nicht gewollt, das einer oben und einer unten lebt mit jeweils einem Hund oder den einen Hund räumlich vom kompletten Rudel zu trennen. Das ist doch auch grausam für den armen Schnüff.
Und die Variante der Dame, die es scheinbar nicht einsieht, das Handlungsbedarf besteht, ist überhaupt nicht zu vertreten.

Ich persönlich finde Eure Entscheidung richtig. Nun können alle glücklich werden und Renfield ist halt eben schlichtweg ein Einzelhund. Er bekommt nun die ungeteilte Aufmerksamkeit. Wohl einfach das, was er braucht.
Und Roan kann auch wieder einfach er selbst sein.

Äußerst merkwürdig, das gleich so viele Hunde aus der selben Zucht die selben Auffälligkeiten zeigen. Wenn es bekannt ist (ich nehme an, der Zuchtverband weiß das auch), wird dann da nichts weiter unternommen? Im Zweifelsfall muss die Hündin oder der Rüde aus der Zucht genommen werden. Oder der Züchterin muss die Zulassung entzogen werden, wenn es nichts mit den Elterntieren zu tun hat.

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#5

Beitragvon Gast » 17.08.2014, 17:41

Beitrag von Gast »

Vielen Dank für eure lieben Worte! Mir geht es schon wirklich viel besser. Nachdem ich Renfield zu seinem neuen Frauchen brachte hab ich tagelang rein gar nichts mehr gefühlt. Das war sehr merkwürdig. Ich bin irgendwie nur aufgestanden, um Roans Wunden zu versorgen und mit ihm ein wenig spazieren zu gehen. Ansonsten lag ich nur auf der Couch oder auf dem Bett und hab ohne zu denken vor mich hingestarrt. Sehr gruselig. Aber mein Mann, eine sehr liebe Freundin und der Bollerbeagle haben mich da wieder rausgeholt. Und zu sehen, wie dein bester Freund endlich wieder aufblüht, stimmt dich dann bald auch wieder etwas glücklicher. Jetzt ist das Ganze vier Monate her und ich habs einigermaßen verdaut. Der Wunsch nach einem erneuten Zweithund ist mittlerweile auch wieder da - immerhin sind Hunde eines meiner Lebenspfeiler - aber die irrationale Angst sowas könnte sich wiederholen, ist zu groß. Heute hab ich die Doppelbox fürs Auto verkauft.

Was den Verein angeht ist das eine sehr komplexe Sache und auch nix, was ich jetzt öffentlich schreiben möchte. Nur zwei von uns vieren stehen auch nach außen hin zu dem, was uns passiert ist. Ich hab informiert, mehr kann ich (nervlich) nicht tun.

@Bine: Nee, er hat nicht die Besitzerin gebissen, sondern einen Hund, mit dem er sich regelmäßig traf.

Lieben Gruß,
Nicole

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#6

Beitragvon Sabine Kuhn » 17.08.2014, 18:43

Beitrag von Sabine Kuhn »

Hallo Nicole,

Schön von dir zu lesen und ja ich kenne dich noch ;-) aber leider ist der Grund nicht schön...

Ich kann euch voll und ganz verstehen, das ist die beste Lösung für alle, würde ich sagen. Merkwürdig finde ich das Verhalten, sehr sogar.
Viel Kraft für euch und der richtige Zweithund gibt es ganz bestimmt!

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#7

Beitragvon tanja » 17.08.2014, 19:31

Beitrag von tanja »

puh, da hast du aber etwas hinter dir :verzweifelt: deine geschichte tut mir sehr leid, und ich kann den schmerz um den verlust deines renfields sehr nachempfinden! da war sicher eine sauschwere entscheidung - respekt davor. ich wünsche euch, dass nun die gewohnte ruhe und vielleicht ganz bald das erneute glück mit einem zweithund bei euch einkehrt!

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#8

Beitragvon Nette » 17.08.2014, 19:32

Beitrag von Nette »

Hallo Nicole,
klar kenne ich dich auch noch und ich muss gestehen, dass ich regelmäßig in deinem Blog /HP lese (seitdem möchte ich unbedingt in die Uckermark!).
Ich hab dort also schon gelesen, was passiert ist und habe sooo mitgefühlt! :hug:
Schlimm - und beim lesen eben, kam die Gänsehaut gleich wieder!
So schwer das alles auch fiel, du hast das einzig richtige getan, finde ich.
Nach einer Zeit der Trauer geht es euch allen jetzt besser und es ist gut, dass du so mutig warst, die Notbremse zu ziehen - Respekt!
Ich stelle es mir unendlich schwer vor, einen geliebten Hund weg zu geben. Aber Rennfield hat es ja super getroffen!
Du hast alles versucht, nie würd ich dir einen Vorwurf machen! Das war einfach viel zu gefährlich!
Ich freue mich, dass du nun mit Roan wieder hier bist!

Du erzählst immer so lebendig!
Vielleicht hören wir auch hier im Forum wieder öfters Geschichten von Roan und dir! :2thumbs:

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#9

Beitragvon Lori » 17.08.2014, 21:05

Beitrag von Lori »

Hallo Nicole,

schön, dass du geschrieben, was euch wiederfahren ist und du hier wieder aktiver sein möchtest. Unseren Beagle musste wir im April über die Regenbogenbrücke gehen lassen und haben uns dann einen "gebrauchten" Beagle geholt. Unsere Sissi hat genau dass erlebt, wie du es beschrieben hast, und ihre alte Besitzerin hat auch berichtet, wie ihr. Sie haben auch alles versucht und haben die letzen Wochen dann nur mit Trenngitter und einzeln Gassi gehen verlebt. Wir haben noch Telefonkontakt und sie sagte auch, dass sie einerseits total traurig und gelähmt war, dass sie weg war , andererseits auch erleichtert, weil das ständige Aufpassen ein Ende hatte. Ich schicke ihr auch häufiger Bilder von Sissi und uns und sie sagt, dass ihr es sehr gut tut und sie weiß, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat.
Bei Sissi war es so, dass sie mit zwei weiteren Hündinnen zusammengelebt hat, bereits drei Jahre ohne Vorkomnisse (1 Malteserhündin und eine Goldie Hündin). Und plötzlich griffen sich die Goldie Hündin und Sissi an ohne jede Vorwarnung, auch sie hat Hundeerfahrung und als sie unter die beiden beißenden Hündinnen gekommen war, war für sie Schluss.
Sissi hat keinerlei Heimweh gezeigt und war innerhalb einer Woche fest in der Familie integriert, Leute von außen konnten es kaum glauben, dass sie so kurz erst bei uns war. Die Malteserhündin trauerte 2 Wochen um sie und die Goldie Hündin war wie ausgewechselt.
Sissi hatte in den ersten Wochen totale Angst vor Goldies, sie konnte es jetzt, dank positiver Kontakte, aber ganz abbauen.

Wir sind sehr froh, trotz der blöden Umstande, unseren Sissi als tollen erwachsenen Hund bekommen zu haben und ich möchte dir dieses schreiben um auch die andere Sicht aufzuzeigen und dir Mut und Zuversicht zu senden.

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#10

Beitragvon Gast » 17.08.2014, 22:36

Beitrag von Gast »

jutta hat geschrieben: Weisst du was eben beim Lesen mein erster Gedanke war, das etwas mit dem Kopf ist, Hirntumor o.ä. Dann las ich aber weiter, dass es auch andere aus der Zucht, das Verhalten zeigen. Vielleicht eine genetische Veränderung des Gehirns? Da kann man wirklich nur hoffen, dass die Züchterin reagiert und ihre Zucht überdenkt bzw. der Verband da aktiv wird.
Genau mein Gedanke eben!

Ansonsten liebe Nicole, absolut richtige und einzig mögliche Entscheidung nach meiner Ansicht! :2thumbs:
Und Du hast es Dir ja offensichtlich nicht einfach gemacht.
Kein Grund für Selbstvorwürfe, es gibt eine Grenze und es gibt bestimmte Sachen, die gehen eben über ein erträgliches Maß hinaus.

Bei solch krassem, unkontrolliertem Verhalten finde ich es auch nicht verwerflich nach entsprechenden Untersuchungen durch einen Tierarzt bei so einem Hund sogar Einschläfern in Betracht zu ziehen, sollten sich solche Vorfälle häufen. Denn wenn das wirklich durch einen genetischen Defekt verursacht wird, oder Hirntumor oder ähnliches, ist ja nicht ausgeschlossen, dass sowas auch in anderen Situationen passiert und dann nicht nur ein anderer Hund, sondern vielleicht beteiligte Personen (schwer) verletzt werden. Sollte Euer Springer solche Situationen nicht kontrollieren oder sogar in seinem Rausch nicht mehr richtig mitbekommen, ist er tatsächlich "unkontrollierbar" im wahrsten Sinne des Wortes.
Ist ein unangenehmes Thema, ganz klar, aber ich denke in diesem Fall sollte eine handfeste Untersuchung stattfinden zum Wohle jedes anderen Hundes und auch der neuen Besitzer. Ich halte sein Verhalten nicht für "normal" bzw. für eine simple innerartliche Verhaltensstörung, sondern für hochgradig gefährlich für sein Umfeld.

Alles Liebe für Euch

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#11

Beitragvon Gast » 18.08.2014, 03:08

Beitrag von Gast »

jutta hat geschrieben:Oh Nicole, ich bin sprachlos.
Weisst du was eben beim Lesen mein erster Gedanke war, das etwas mit dem Kopf ist, Hirntumor o.ä. Dann las ich aber weiter, dass es auch andere aus der Zucht, das Verhalten zeigen. Vielleicht eine genetische Veränderung des Gehirns? Da kann man wirklich nur hoffen, dass die Züchterin reagiert und ihre Zucht überdenkt bzw. der Verband da aktiv wird.

Ein Glück gehts dem Bollerkopp wieder gut und du wirst auch bald dein Gleichgewicht wiederfinden. Ich finde, ihr habt richtig gehandelt, so ist es für alle Beteiligten das Beste. Alles, alles Gute für euch :knuddel:
Liebe Nicole,
nein, ich habe dich nicht vergessen und ich kann mich Jutta und den anderen nur anschließen :yes:
Du hast doch alles versucht und getan und auch wenn es sehr schmerzhaft ist, so ist eine Trennung in manchen Situationen das Beste für alle Beteiligten. Ich wünsche dir, dass du weiter Fuß fassen kannst in euren veränderten Alltag :knuddel:

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#12

Beitragvon Gast » 18.08.2014, 09:12

Beitrag von Gast »

Oh ihr seid wirklich alle ganz lieb! Vielen lieben Dank!
Mittlerweile kann ich das Ganze auch mit etwas Abstand sehen und beurteilen. In unser altes Leben zurückgefunden haben wir leider noch nicht. Ich bin ja mehr oder minder regelmäßig auf Turnieren gewesen (Agi und RO) und hab seit dem Tag von Renfields Auszug alles abgesagt. Im September werden wir auf einem RO-Turnier sein, weil wir den Verein sehr gut kennen und überredet wurden. Es klingt vielleicht komisch, aber ich hab totale Hemmungen zu diesen Veranstaltungen zu gehen. Ich hab immer Angst, jemand spricht mich darauf an und das Wiedersehen von Renfields Mama + Bruder zieht mich zu sehr runter. Aber irgendwann muss ich ja mal wieder einsteigen, wenn ich nicht vorhabe es ganz aufzugeben. Mir fehlt die Hundegemeinschaft sehr. Vielleicht werd ich im September losheulen, wenn ich Renfields Mama sehe, aber das könnte mir auch in ein paar Monaten passieren. Also Augen zu und durch. Mit dem Agi-Training haben wir erst jetzt wieder begonnen aufgrund Roans Verletzungen. Beim ersten Mal ist er total ausgeflippt vor Freude. :winkgrin:

@Nette: Ich musste ja so grinsen - jaaaaa fahr mal in die Uckermark und dann treffen wir uns dort. Ich liebe es dort! Es ist meine Herzheimat und bereits nach 10 Minuten in der Uckermark sind meine Akus wieder aufgeladen. Wer weiß - vielleicht ziehe ich irgendwann mal dorthin. :yes:

Nochmal kurz zu Renfields Unkontrollierbarkeit: Ja, es wird immer ein Thema sein. Seit er auszog, ist es wie beschrieben einmal vorgekommen. Silke - sein neues Frauchen - berichtet mir alles imemr sehr detailliert. Vor einigen Wochen hob er mal die Lefze gegenüber einem Hund was schon fast spektakulär ist - denn das tat er zu meinem Leidwesen bei uns nie. Einen Menschen hat er übrigens noch nie gebissen - auch nicht bei einem solchen "Ausbruch" - gebissen wurden mein Mann und ich von Roan - aus Panik hatte er sich nur noch gewehrt und gar nicht mitbekommen wo er reinbiss. Ich werd nie vergessen wie er geschrien hat. Sowas will man nicht hören.
Aber gut - das war alles sehr schlimm, aber es ist vorbei. Nachher werde ich mit Roan und meinem Mann rausfahren und Roan antrailen. Ich freu mich schon doll drauf!

Lieben Gruß,
Nicole

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Re: Wir haben nur noch einen Hund

#13

Beitragvon Verena & Elli » 18.08.2014, 14:06

Beitrag von Verena & Elli »

Hallo Nicole,

ich hatte dich hier schon "vermisst" und fand es schade, nichts mehr von dir zu lesen!

Dass mit Renfield tut mir toootaaaal leid für dich und für die anderen Besitzer mit ähnlichen Problemen. Und natürlich für den Hund selbst und für Roan... Gott, ist das schade und traurig und heftig! :verzweifelt:

Gerade die Rasse Springer Spaniel hat es mir richtig angetan und vielleicht zieht hier auch mal ganz vielleicht *irgendwann* einer ein (wobei ich mich von anfang an bei dieser Rasse nur für die rein jagdlichen Linien aus England interessiert habe und nicht für die in Deutschland gezogenen Hunde, die ja in erster Linie - rein von der Ahnentafel her gesehen - Showlinien entstammen wenn ich richtig informiert bin (?)). Aber da fehlt mir ganz eindeutig noch der Jagdschein für so einen passionierten Hund und die Zeit und, und, und...!
:winkgrin:
Hut ab vor deiner Entscheidung, Renfield abzugeben. Ich kann es absolut verstehen, denn so wie du es geschildert hast, könnte ich mir auch keinen anderen Weg vorstellen.
:2thumbs:
Ich wünsche dir, dass du es mit der Zeit schaffst, den Schmerz über das ganze Geschehen zu überwinden. Und ich hoffe sehr, dass die Zucht so etwas nicht übergeht... So eine traumhafte Rasse darf nicht kaputt gemacht werden, weil Probleme verheimlicht oder verharmlost oder verschwiegen werden...

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#14

Beitragvon Gast » 18.08.2014, 14:32

Beitrag von Gast »

Danke Verena!! :bussi:

Renfields Mama und Bruder werden übrigens jagdlich geführt. :smilie:
Ich liebe die Rasse auch weiterhin, kann mir aber nicht vorstellen, dass wieder einer einziehen wird. Ist das gleiche wie bei Roan - einen Beagle wirds bestimmt nicht nochmal geben und doch liebe ich die Rasse. Aber sag niemals nie. :winkgrin: Der nächste Hund kommt jedenfalls aus dem Tierschutz - das steht schonmal fest. Bereits bei Renfield hatte ich mit mir gehadert, wollte aber uuuuunbedingt genau so einen Springer haben und den im Tierschutz zu finden war vor zwei Jahren sehr schwer. Letztlich entschied ich mich dann doch für einen VDH-Welpen.

Vorhin waren wir ja unterwegs und uns kamen drei Hunde + Menschen entgegen. Der eine Hund (ein Riesen-Beagle) ritt sofort bei Roan auf und beide fingen doll an zu knurren. Mir wurde ganz anders... Es war gar keine schlimme Situation (abgesehen von den enorm dummen Kommentaren des dazugehörigen Frauchens) und Roan hat sich prima verhalten und kam dann auch nach einer Ansage mit mir mit, aber mein Herz rutschte mir in die Hose. Daran merke ich, dass die Angst um ihn nocht nicht wieder auf einem Normalpegel ist. Aber das wird auch noch...

Lieben Gruß,
Nicole

Gast

Re: Wir haben nur noch einen Hund

#15

Beitragvon Gast » 18.08.2014, 15:54

Beitrag von Gast »

Hallo Nicole - ich glaube, wir "kennen" uns noch nicht :winkiss:
Ich finde Deine Geschichte sehr sehr traurig - aber wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann muß man auch diesen von Euch gewählten Schritt gehen - und ich finde, dazu gehört auch jede Menge Mut, sich das einzugestehen. Von meiner Seite aus also: Hut ab! Es hätte keinen von Euch weiter gebracht und auch die Hunde hätten sich auf Dauer in der Situation nicht wohl gefühlt. Soetwas muss man erst auch mal verdauen, bevor man eventl. bereit ist, neue Wege zu gehen.

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