Trauer der hinterbliebenen Hunde

Mehrere Hunde in einem Haushalt.
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tanja
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Trauer der hinterbliebenen Hunde

#1

Beitragvon tanja » 17.02.2019, 06:12

Beitrag von tanja »

Mich würde sehr interessieren, was ihr zu diesem Thema wisst, was ihr für Erfahrungen gemacht haben: Trauern hinterbliebene Hunde wirklich, oder interpretieren wir das nur hinein? Betrachten wir das zu menschlich?
Selbst bei Lucy kann ich nicht 100%ig sagen, ob sie wirklich getrauert hat! Sie hat eh oft einen Ausdruck, der fremde Menschen mich oft hat fragen lässt, was Lucy denn hat, warum sie so traurig guckt?
Wenn Hunde doch im Hier und Jetzt leben, wie passt es dann zusammen, dass sie trauern? Ist es nicht vielleicht so, dass sich einfach für den hinterbliebenen Hund eine neue Rudelkonstellation ergibt und er seine neue Rolle dort finden muss?

Ich bin gespannt auf eure Antworten?

Gast

Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#2

Beitragvon Gast » 17.02.2019, 15:54

Beitrag von Gast »

Ich denke dass Trauer bei Tieren genauso individuell ist, wie bei uns Menschen. Von diesem "hier und jetzt" bin ich weit weg. Tiere erinnern sich: an Kommando's, an Menschen, an Orte. Sie denken nicht "vorausschauend" wie wir Menschen, grübeln nicht über das was in der Vergangenheit passiert ist, können sich aber trotzdem "erinnern".

Abschied nehmen viele Tiere schon, bevor der Partner verstirbt. Kondi war in den ersten Tagen als Einzelhund verunsichert, zögerlicher und in sich gekehrt. Aber da sehe ich mehr den Zusammenhang zu unserer Trauer, denn diese spürt auch ein Hund.

Kondi hat Amy sicherlich auch vermißt, zumindest hat sie 2 Tage lang den Garten sehr intensiv beschnüffelt. Im Haus habe ich keinerlei Verhalten bemerkt, dass darauf hingewiesen hätte.
Hier war das Alleine bleiben in den ersten 2 oder 3 Wochen nicht möglich: Kondi fing direkt zu bellen an. Aber auch das lag vermutlich mehr an unserem Gemütszustand.

Ich kenne es aber auch anders: dass Hunde ihrem Partner wirklich nachtrauern. Zum Beispiel auch nicht mehr fressen wollen, sehr still und in sich gekehrt sind, den verstorbenen Partner suchen etc.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#3

Beitragvon tanja » 17.02.2019, 16:07

Beitrag von tanja »

Annette hat geschrieben:
17.02.2019, 15:54
Ich denke dass Trauer bei Tieren genauso individuell ist, wie bei uns Menschen. Von diesem "hier und jetzt" bin ich weit weg. Tiere erinnern sich: an Kommando's, an Menschen, an Orte. Sie denken nicht "vorausschauend" wie wir Menschen, grübeln nicht über das was in der Vergangenheit passiert ist, können sich aber trotzdem "erinnern".
Stimmt, du hast recht: Hunde können sich erinnern! Ich habe es nicht in anderen Zusammenhängen betrachtet sondern isoliert.
So wie du es beschrieben hast, kann ich es sehr gut nachvollziehen. Danke :hug:
Und ich denke auch, dass unser Gemütszustand in der Zeit der starken Trauer einen großen Anteil an der Verunsicherung des hinterbliebenen Hundes hat.

War für euch schon vor dem Tod von Amy klar, dass Kondi ein Einzelhund bleiben wird (oder andersherum, je nachdem wer eher gegangen wäre)?

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#4

Beitragvon HappyElisabeth » 17.02.2019, 16:39

Beitrag von HappyElisabeth »

Ich habe es nach Happys Tod erlebt, dass Juna uns die "Schuld" gab. Wir waren ja ohne sie zur Tierärztin gefahren, wo Happy eingeschläfert werden musste. Wir kamen ohne ihn zurück, Juna suchte ihn und hat uns danach 3 Tage vorwurfsvoll angesehen. Nach drei Tagen war alles vorbei und sie erkannte, dass die ab sofort die Prinzessin, die Chefin ist. Die Rolle gefällt ihr seitdem.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#5

Beitragvon Gast » 17.02.2019, 17:30

Beitrag von Gast »

tanja hat geschrieben:
17.02.2019, 16:07

War für euch schon vor dem Tod von Amy klar, dass Kondi ein Einzelhund bleiben wird (oder andersherum, je nachdem wer eher gegangen wäre)?
Diese Frage wurde mir nach dem Amy nicht mehr da war, ganz häufig gestellt. Gerade Familie und Freunde waren der Meinung: es dauert nicht lange, dann zieht wieder ein neues Fellkind zu Euch.
Ich habe damals erklärt: nein, es wird bei uns keinen zweiten Hund mehr geben. Geglaubt hat das so gut wie niemand. Aber meist bleibe ich auch bei dem, was ich direkt empfinde und auch äußere.
Ja Tanja, es war für mich direkt klar, dass Kondi Einzelprinzessin bleiben wird. Das mag sich jetzt für viele berechnend anhören, aber durch die ganzen Wochen, die ich mit Amy's Pflege zugebracht hatte, waren sehr anstrengend. Für mich, für Harald und auch für Kondi. Bewußt geworden ist mir das erst, als diese "Aufgabe" nicht mehr vorhanden war. Was wäre gewesen, wenn ein zweiter Hund eingezogen wäre: er hätte vom Alter her zu Kondi und deren Bedürfnisse passen müssen. Also war klar: ein junger Hund kommt nicht in Frage. Kondi wäre damit einfach auch überfordert. Gegen einen älteren Hund habe ich mich entschieden, weil ich ehrlich gesagt auch Angst hatte. Angst wieder mit Krankheiten kämpfen zu müssen und auch der finanzielle Aspekt spielt für mich eine große Rolle. Kondi nicht gesund und Behandlungen nötig. Unterschiedliches Alter = unterschiedliche Bedürfnisse für jeden Hund. Kondi mußte schon viel zurückstecken. Amy's Erkrankungen waren auch alle sehr kostenintensiv und für mich hat jeder zur Familie gehörende Hund ein Anrecht darauf, die medizinische Versorgung zu erhalten, die notwendig ist. Was passiert, wenn wir das nicht mehr leisten können?
Und meine persönliche Situation: durch die Erkrankungen war ich ziemlich eingeschränkt in meinem Alltag. Vieles ging einfach nicht mehr.
All das waren für mich Gründe, keinen zweiten Hund dazuholen zu wollen und ich habe meine Meinung in den vergangenen 2 Jahren auch nicht geändert.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#6

Beitragvon bewa » 17.02.2019, 18:12

Beitrag von bewa »

Einige Bekannte mit mehreren Hunden haben übereinstimmend berichtet, wie sehr die Meute trauert, wenn ein Vierbeiner gegangen ist.
Ich habe diese Berichte dann einfach so wie sie waren akzeptiert.
Hatte aber schon ein größeres Fragezeichen, weil ich nicht sicher war, ob es nicht einfach nur das Neu-zusammenfinden gewesen ist plus den emotionalen Stress der Zweibeiner, den die Hunde natürlich gespürt haben.

Hier für uns kann ich nur sagen, dass ich bei keinen hinterbliebenden Vierbeiner den Eindruck hatte, als ob er trauern würde. Klar, er war einige Tage etwas verunsichert, aber wirklich wohl eher deshalb, sich in eine andere Position reinfinden musste und heulende Menschen nicht einfach zu deuten sind.
Nun kommt hier hinzu, dass wir unsere Paare immer nur zufällig ein Paar sind bzw. waren. Hätte man denen die Wahl gelassen, sie wären sicherlich lieber Einzelhund gewesen, vielleicht mit der Ausnahme Sally, die froh war, das ihr nicht die alleinige Aufmerksamkeit galt.
Hetty hat nach dem Tod von Sally ihr übliches Programm durchgezogen, da war auch kaum etwas mit verunsichert sein - eher das genießen, nun tatsächlich die Queen zu sein.
Das sie doch wieder eine Begleitung bekam lag an Horst, der unbedingt wieder einen Zweithund wollte.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#7

Beitragvon tanja » 17.02.2019, 19:45

Beitrag von tanja »

Annette hat geschrieben:
17.02.2019, 17:30
tanja hat geschrieben:
17.02.2019, 16:07

War für euch schon vor dem Tod von Amy klar, dass Kondi ein Einzelhund bleiben wird (oder andersherum, je nachdem wer eher gegangen wäre)?
Ja Tanja, es war für mich direkt klar, dass Kondi Einzelprinzessin bleiben wird. Das mag sich jetzt für viele berechnend anhören, aber durch die ganzen Wochen, die ich mit Amy's Pflege zugebracht hatte, waren sehr anstrengend. Für mich, für Harald und auch für Kondi. Bewußt geworden ist mir das erst, als diese "Aufgabe" nicht mehr vorhanden war. Was wäre gewesen, wenn ein zweiter Hund eingezogen wäre: er hätte vom Alter her zu Kondi und deren Bedürfnisse passen müssen. Also war klar: ein junger Hund kommt nicht in Frage. Kondi wäre damit einfach auch überfordert. Gegen einen älteren Hund habe ich mich entschieden, weil ich ehrlich gesagt auch Angst hatte. Angst wieder mit Krankheiten kämpfen zu müssen und auch der finanzielle Aspekt spielt für mich eine große Rolle. Kondi nicht gesund und Behandlungen nötig. Unterschiedliches Alter = unterschiedliche Bedürfnisse für jeden Hund. Kondi mußte schon viel zurückstecken. Amy's Erkrankungen waren auch alle sehr kostenintensiv und für mich hat jeder zur Familie gehörende Hund ein Anrecht darauf, die medizinische Versorgung zu erhalten, die notwendig ist. Was passiert, wenn wir das nicht mehr leisten können?
Und meine persönliche Situation: durch die Erkrankungen war ich ziemlich eingeschränkt in meinem Alltag. Vieles ging einfach nicht mehr.
All das waren für mich Gründe, keinen zweiten Hund dazuholen zu wollen und ich habe meine Meinung in den vergangenen 2 Jahren auch nicht geändert.
1:1 wie bei mir!
Nur, dass ich mir dessen schon lange vor Emmchens Tod bewusst war, weil ich so oft an meine Grenzen der Belastbarkeit gekommen bin. Das hat mir aber die Entscheidung Emma zu erlösen, noch einmal immens schwerer gemacht :verzweifelt:
Ich finde dein Denken und Handeln alles andere als berechnend, sondern sehr realistisch denkend!

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#8

Beitragvon tanja » 17.02.2019, 20:02

Beitrag von tanja »

Beatrix hat geschrieben:
17.02.2019, 18:12
Klar, er war einige Tage etwas verunsichert, aber wirklich wohl eher deshalb, sich in eine andere Position reinfinden musste und heulende Menschen nicht einfach zu deuten sind.
Nun kommt hier hinzu, dass wir unsere Paare immer nur zufällig ein Paar sind bzw. waren. Hätte man denen die Wahl gelassen, sie wären sicherlich lieber Einzelhund gewesen, vielleicht mit der Ausnahme Sally, die froh war, das ihr nicht die alleinige Aufmerksamkeit galt.
Auch hierbei kann ich uns wiederfinden! Emma hätte ebenfalls keinen Hundepartner gebraucht. Dennoch glaube ich, dass sie dann im Laufe der Jahre ganz gut zusammengewachsen sind und auch Emma Vorteile des Zusammenlebens schätzen gelernt hat.
Beispiel: Bei uns gab es zwischenzeitlich Probleme mit dem Alleinebleiben der Hunde, und wir haben uns eine Kamera angeschafft, um einen Eindruck zu bekommen, woran es liegen könnte. Da sah ich Emmchen oft durch die Gegend schlurfen. Sie hörte mich ja nicht mehr, also machte sie sich immer wieder mal auf den Weg um mich zu suchen. Dabei gab es immer einen Blick in Lucys Richtung, und dann fand sie ihre Ruhe und ratzte weiter. Wenn sie ohne Lucy alleine blieb, weinte sie und fand keine Ruhe.

Tja, und ob Lucy getrauert hat, kann ich schwer beurteilen, weil ich eben nicht weiß, was Wirklichkeit und was meine Interpretation ist bzw. war. Ich kann nur sagen, dass sie sich gefühlt eine Zeitlang sehr in sich zurückgezogen hat (was sehr auffiel, weil sie ja sonst meist in Kuschellaune ist) und sehr erschöpft wirkte. Ebenso hat sie die erste Woche extrem viel geträumt, was sie sonst eher selten tat. Das kann alles trauern gewesen sein, aber genau machte sie den Eindruck, als finde sie sich sehr schnell in ihre Einzelhundrolle ein. Sie war definitiv sehr verunsichert durch unseren Kummer! Das kann ich definitiv einordnen. Und was davon ihre Trauer gewesen sein könnte, ist rein hypotetisch.
Wenn ich von euch lese, Lis, kann ich mir auch vorstellen, dass es Lucy u.U. „geholfen“ haben könnte, dass sie sich in aller Ruhe von Emma „verabschieden“ konnte, weil alles bei uns zuhause stattgefunden hat. Aber was davon Abschied war oder was ein einfaches „Registrieren“ der Situation war, kann ich wiederum auch nicht sagen.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#9

Beitragvon bewa » 18.02.2019, 07:17

Beitrag von bewa »

Tanja und Annette; ich finde Eure Zukunftsplanung nicht berechnend. Sie ist einfach auf dem zugeschnitten, was für Euch machbar ist - und das könnt ganz allein Ihr entscheiden. Bei uns wird es so sein, dass nach Hetty & Fritz keine Tiere mehr einziehen werden. Ich tue mich schwer mit dem Gedanken, aber die Realität schreibt es vor.

Vielleicht deuten wir - nicht nur bei Trauer - viel zu viel in das Verhalten unserer Hunde hinein?
Nur weil wir trauern, sollen unsere Vierbeiner auch trauern? Vielleicht sogar trauern müssen?

Wir haben ja nun dieses Trennen eines vierbeinigen Paares durch Tod mittlerweile mehrmals erleben müssen. Jedes Mal war es anders, aber insgesamt hat es die "Überlebenden" wenig berührt.
Ike ist Zuhause eingeschläfert worden, bis auf das Setzen der Spritze war Bonny die ganze Zeit anwesend. Sie hat also nur diesen kurzen Moment des Hinübergleitens in eine gesündere Welt nicht mitbekommen (das war der Wunsch des ansonsten sehr guten Vertretungsarztes). Danach ist sie wieder in die Küche gekommen, ist sozusagen über mich und den in meinen Armen liegenden Ike hinweggestiegen, hat den Ike einmal kurz angestupst, sich dann im Sessel zusammengekringelt und gepennt. Bei aller Liebe zu ihr; das habe ich ihr schon verdammt übel genommen.
Bonny ist im Beisein von Sally eingeschläfert worden; leider ja in der Tierklinik. Es hat Sally überhaupt nicht interessiert, weder das Bonny und ich auf dem Boden lagen, noch mein Heulen, noch die dann verstorbene Bonny. Erst später Zuhause war eine leichte Verunsicherung da - aber wohl auch nur, weil sie nun urplötzlich im Mittelpunkt stand. Und sie war verdammt erleichtert, als wenige Wochen später Hetty einzog.
Sally war ja wirklich Herrchens Beagle und ich war eher das Übel, das auf gewisse Regeln Wert legte. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich 2 oder 3 Tage später mit Sally allein unterwegs war und sie dabei ihr Herrchen-Programm durchzog. Auf offener Straße habe ich sie angebrüllt "warum bist du nicht tot, warum meine Bonny?". Und das ist ihr dann am Allerwertesten vorbeigegangen.
Hätte sie sich so benommen, wenn sie auch getrauert hätte?

Hetty hat sich Zuhause von Sally verabschieden können. Das war eine ganz kurze Sache von Minuten, dann kam die Siegespfote "endlich alleinige Queen".

Wir haben das große Glück, dass all unsere Beagle bei uns im Garten ihr letztes Plätzchen finden dürfen.
Ike hat ja den Anfang gemacht und wir haben dafür einen seiner Lieblingsplätze ausgesucht: auch im Sommer recht schattig und trotzdem konnte er dabei sehr viel Garten und dazu die Straßen überblicken. Mittlerweile leisten ihm dabei ja nun 2 Mädels Gesellschaft.

Das in der ersten Zeit nach einer Beisetzung der andere Beagle diesen Ort meidet, habe ich mir ja erklären können - aber auch später war das immer ein recht selten aufgesuchte Ecke. Das hat sich erst nun mit Fritz geändert, vermutlich aber auch nur, weil dort auch unsere Gartenkomposter stehen.

Aber vielleicht bin ich meistens auch einfach zu sehr Realist, um die Trauer der hinterbliebenden Hunde richtig einschätzen zu können

Gast

Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#10

Beitragvon Gast » 18.02.2019, 07:49

Beitrag von Gast »

Das was Du berichtest Beatrix, war bei uns ähnlich. Kondi durfte sich von Amy "verabschieden". Wir mußten Amy ja leider in der TK gehen lassen. Kondi hatten wir solange im Auto gelassen und als alles vorbei war, wollte ich, dass Kondi sich von Amy "verabschieden" kann. Kondi war diese Situation sehr unangenehm, sie hat deutlich gezeigt, dass sie nicht in diesem Raum bleiben möchte, also habe ich sie wieder ins Auto gebracht.
Heute bilde ich mir ein: die Hunde haben sich schon mindestens 3-4 Tage bevor Amy gehen mußte, "verabschiedet". In der Nachbetrachtung viel mir so einiges auf, was im Alltag damals untergegangen ist. Beide Hunde haben keine Nähe mehr zueinander gesucht.
Ich glaube, Tiere spüren viel früher, dass der Mitbewohner gehen muss.
Einfach mein Bauchgefühl und auf das kann ich mich eigentlich immer verlassen - sofern ich in der Lage bin, darauf zu hören.
Kondi ist und bleibt ein Einzelhund. Mit Amy war das Zusammenleben friedlich, konnten Nähe zulassen, aber waren nie die "engen" Kumpels. Nun habe ich ja gerade in den letzten Wochen so viel über Hundehaltung, Mehrhundehaltung und Prozesse, die sich im Kopf eines Hundes abspielen gelernt. Nicht jeder Hund braucht die Gesellschaft von Artgenossen und: ein "Rudel" bzw. das was wir darunter verstehen, existiert mehr in unserern Köpfen als in der Realität. Man "arrangiert" sich, lebt mit- und nebeneinander her. Partnerschaft zwischen Hunden hat nicht viel gemeinsam mit dem, was wir Menschen damit in Verbindung bringen. Meist ist es eher eine Zweckgemeinschaft als eine Partnerschaft. Rudelbildung passiert nur innerhalb einer "Familie". Wild zusammengewürfelte Hunde bilden eine "Gemeinschaft" aber kein Rudel. Und jede Gemeinschaft, die ein Mitglied verliert, muss sich neu sortieren, muss Aufgaben übernehmen, um die er sich vorher nicht kümmern mußte.
Beispiel: Ehepartner, bei denen sich meist einer um die Finanzen kümmert. Ist dieser Partner nicht mehr da, kümmert man sich automatisch selbst darum.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#11

Beitragvon tanja » 18.02.2019, 15:30

Beitrag von tanja »

Die „Gefahr“ ist wie allen Beurteilungen von hündischem Verhalten das Vermenschlichen! Ich bin auch eher der Realist (der derzeit etwas in die Sternenkunde abdriftet :jumpgrin: ), so dass ich ebenfalls dazu neige, zu sagen, dass Hunde nicht trauern.
Aber ich habe zuhause ein Buch, dass sich mit dem Thema beschäftigt, ob Hunde auch Gefühle haben oder nicht. Titel habe ich nicht parat. Und danach hat man in neueren Untersuchungen festgestellt, dass Hunde sehr wohl Gefühle haben. Und Trauer ist ein Gefühl.
Die Frage ist bloß, ob ggf. Trauer-Gefühle beim hinterbliebenen Partnerhund entstehen oder Gefühlen der Verunsicherung durch das trauende Verhalten der Hundehalter.

Was aber ist mit den hinterbliebenen Hunden, die z.b. nicht mehr fressen, wenn der Partner stirbt? Die „eingehen wie eine Primel“, wie man es immer wieder hört? Ist das dann auch nur eine zu vermutende Reaktion auf das trauernde Verhalten der Halter?

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#12

Beitragvon Anita » 18.02.2019, 17:50

Beitrag von Anita »

Tharan hat getrauert. An Gimlis letzen Tag war er dabei und dann, Zuhause ohne Gimli, zog er sich zurück. Am nächsten Tag war er kaum aus seinem Korb zu bewegen.
Daraufhin beschloss ich, einen Ausflug an den Ammersee zu machen, um ihn abzulenken. Erst nach ein paar Stunden am See machte es bei ihm sichtbar "Klick" und er blühte auf, sprang, japste, spielte, hatte sichtbare Freude. Daheim angekommen war er dann wie immer.

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#13

Beitragvon Gast » 19.02.2019, 12:20

Beitrag von Gast »

Ich weiß auch nicht, ob Ellie wirklich getrauert hat. Sie war beim Abschied dabei und hat "verstanden". Aber sie war eine Zeitlang anders. Sehr unsicher, manchmal wirkte sie tatsächlich "verlassen" und hilflos, auch im Haus, als überlege sie, so nach dem Motto "wo ist der Fehler"?. Sie hat sich sehr an Hugo orientiert und musste nun ihren eigenen Weg finden, selber Entscheidungen treffen, sich neu orientieren. Das hat sie dann auch recht schnell gemacht. Sie hat sich noch enger an uns gebunden, als sie es sowieso schon tat. In meiner Trauer war ich auch sehr dankbar dafür war und wir haben uns gegenseitig Halt und Trost gegeben (vielleicht auch nur sie mir und sie hat die ständige Nähe einfach nur genossen?). Und sie hat jegliches Interesse an fremden Hunden verloren (obwohl das auch vorher nicht sehr stark vorhanden war). Sie sind für sie vollkommen überflüssig. Die Menschen am anderen Ende der Leine werden freudig begrüßt, aber die Hunde ignoriert oder sogar weggebellt. Die Ausnahme bleiben die Hunde, die sie schon kennt. Inmitten ihrem bekannten Rudel fühlt sie sich wohl.
Und es hat gedauert, bis sie entspannt alleine blieb. Lange haben wir sie nach Hugos Tod überallhin mitgenommen. Inzwischen bleibt sie auch schon mal wieder alleine, wenn es gar nicht anders geht. Aber es ist wieder okay für sie.
Während ich das jetzt so schreibe, glaube ich doch, sie hat auf ihre Art schon getrauert, aber sich sehr schnell mit dem Leben als Einzelhund arrangiert. Nein, eigentlich nicht nur das - sie genießt ihr neues Leben als Prinzessin :liebhab: .

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#14

Beitragvon tanja » 19.02.2019, 15:14

Beitrag von tanja »

beaglehugo hat geschrieben:
19.02.2019, 12:20
Sie hat sich noch enger an uns gebunden, als sie es sowieso schon tat. In meiner Trauer war ich auch sehr dankbar dafür war und wir haben uns gegenseitig Halt und Trost gegeben (vielleicht auch nur sie mir und sie hat die ständige Nähe einfach nur genossen?).
...aber sich sehr schnell mit dem Leben als Einzelhund arrangiert. Nein, eigentlich nicht nur das - sie genießt ihr neues Leben als Prinzessin :liebhab: .
Es trifft auch auf Lucy zu bzw. habe ich bei letzterem den Eindruck. Allerdings wird sie auch zur Zeit von uns hofiert und ständig bekuschelt! Wer würde das nicht genießen?
...das Emmchen :frown:

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Re: Trauer der hinterbliebenen Hunde

#15

Beitragvon Gast » 19.02.2019, 15:25

Beitrag von Gast »

tanja hat geschrieben:
19.02.2019, 15:14
..... Allerdings wird sie auch zur Zeit von uns hofiert und ständig bekuschelt! Wer würde das nicht genießen?
...das Emmchen :frown:
:bussi: .....und der Hugo :winkgrin: . In den ersten 10/11 Jahren seines Lebens war er auch so ein distanzierter Herr. Daher kam ja auch irgendwann das "Sir" zum Namen. Wir waren immer dankbar, wenn er sich die Ehre gab, beschmust zu werden :gott: .

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