Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

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tanja
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#31

Beitragvon tanja » 27.06.2019, 20:59

Beitrag von tanja »

Das kenne ich von Emma auch: Sie ist abgegangen auf anderen Hundespuren!!! Sei es auf dem Beaglefeld oder auf anderen eingezäunten Flächen. Die anderen Hunde haben sie nie interessiert aber die Spuren. Wenn wir aufs Beaglefeld sind, ist sie an allen vorbei und hat wie ein abgestochenes Ferkel geschrieen/Spurlaut gegeben und volle Kante 3 Runden dort um das gesamte Feld gedreht. Fragt nicht, wieviel Beagle oder (ratlose!) Hund anderer Rassen sie da im Schlepptau hatte :lachtot:
Ich habe sie in den ersten Jahren NIE aus diesem Tunnel bekommen. Später auch viel schwerer als Lucy! Mit den Jahren, mit noch mehr Bindung, mit noch mehr Werkzeugen, die man sich im Laufe der Zeit aneignet, wurde es besser. Aber es hat Jahre gedauert!!!
Ich wage zu bezweifeln, dass es möglich ist, einen jagdlich hoch motivierten Beagle gar nicht erst auf die Spur zu lassen! ...denn oftmals geht es ja von nun auf jetzt los. Wie soll ICH als Mensch erkennen, dass da gleich eine Spur kommt??? Da ist der Beagle uns einfach haushoch mit seiner Nase überlegen.
Dennoch will ich nicht sagen, dass es nicht möglich ist einen Beagle aus dem Tunnel zu bekommen! Aber vielleicht nicht jedes Mal. Oder eben erst nach Jahren!
Ich fürchte, du erwartest vielleicht zu viel?
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#32

Beitragvon Ulrike » 27.06.2019, 21:43

Beitrag von Ulrike »

Annette hat geschrieben: 27.06.2019, 20:14
jutta hat geschrieben: 27.06.2019, 19:04 Die Frage ist doch, bekommt man den Hund durch Training o. a. überhaupt aus diesem Tunnel raus.
Ja, bekommt man. Auf die Art, wie Franziska das beschrieben hat: mit Kooperation im Training und einem strukturierten Aufbau der Gassirunde. Dadurch kommt generell mehr "Ruhe" rein.
Das würde ich mit dem Allgemeingültigkeitsanspruch nicht behaupten! Man muss doch erst mal die Gründe für den Tunnel rausarbeiten. Was bringt denn Kooperation im Training und strukturierter Aufbau, wenn du an der falschen Stelle kooperierst und am Auslöser vorbei strukturierst. Kurzfristige Erfolge, vielleicht, aber mittelfristig ist der Frust dann umso größer, wenn der nächste Tunnel kommt :nixweiss: .
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#33

Beitragvon Gast » 28.06.2019, 07:00

Beitrag von Gast »

Kooperation sollte Alltag werden, nicht nur in für den Hund schwierigen Situationen. Die Gründe für ein Jagdverhalten: sie sind angeboren und bei jedem Hund unterschiedlich ausgeprägt. Deshalb trainiert man solche Dinge auch nicht nur situationsbedingt, sondern strukturiert. Aufbau in winzig kleinen Schritten. Das braucht Zeit und funktioniert - je nach Hund - auch nicht nach relativ kurzer Zeit. In der Regel versucht man, den Hund vom jagen abzuhalten und meistens trainiert man keine Alternative zum Verhalten. Die meisten "sitzen" solche Situationen aus, weil der Hund nicht mehr ansprechbar ist. Hat man Alternativen zum Jagdverhalten antrainiert, kennt der Hund Alternativen zum "Tunnel". Gibt es falsche Kooperation? Nein, die gibt's nicht. Zumindest nicht bei der Art von Training, die wir anwenden.
Ich kann auch schlecht den genauen Ablauf eines solchen Trainings detailiert in Worte fassen. Theorie und Praxis sind bei solchen Problemen ganz entscheidend. Meiner Meinung nach ist so etwas ohne professionelle Unterstützung nur schwer umsetzbar. Und: nur weil etwas bei einem selbst oder bei den Hundehaltern die man kennt, nicht funktioniert, bedeutet das nicht automatisch auch, dass man gegen solch ein Problem nichts zu tun kann.
Die meisten versuchen dem Hund das in der Situation beizubringen, das funktioniert nicht. Das hat es bei mir auch nicht. Ich habe jahrelang verschiedenste Methoden ausprobiert, um Kondi die "Jagd" nach Beute auf unseren Gassirunden abzugewöhnen. Erfolglos. Ich habe unterwegs versucht beizubringen: das darfst Du nicht. Ich hatte mit pfui und aus, mit "zerren" an der Leine, mit stupsen in die Flanke keinen Erfolg.
Mir ging es ja nicht anders, als so vielen anderen Beaglebesitzern und irgendwann war auch ich der festen Überzeugung: das kann man seinem Hund nicht "abgewöhnen".
Ich habe Kondi das Fressen von unerwünschten Dingen nicht "abgewöhnt", sondern "umgelenkt". Sie hat zu dem Fressen von Kot der anderen Hunde heute eine Alternative. Wenn ich zu spät reagiere, sie das Zeug schon aufgenommen hat, dann schaffe ich es mittlerweile manchmal sogar, dass sie es wieder ausspukt.
Und: ich bin weg davon, dass alles zu 100% funktionieren muss. Das schafft keiner. Weder ein Mensch noch ein Tier funktioniert jeden Tag zu 100%. Allerdings sind mir 90% lieber als 0%. Und ich rede da nicht nur vom Verhalten des Hundes, sondern auch von meinem Verhalten: es gibt Tage, da bin ich nicht gut drauf und es gibt Tage, da ist der Hund nicht gut drauf. Hab ich einen Tag erwischt, an dem das bei mir und Kondi der Fall ist, wir beide nicht gut drauf sind: klappt es halt einfach weniger gut.
Dann ist das halt so. Dann akzeptiere ich das, denn ich kann es nicht ändern.
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#34

Beitragvon Gast » 28.06.2019, 17:12

Beitrag von Gast »

Annette hat geschrieben: 28.06.2019, 07:00 Die Gründe für ein Jagdverhalten: sie sind angeboren und bei jedem Hund unterschiedlich ausgeprägt. .... Hat man Alternativen zum Jagdverhalten antrainiert, kennt der Hund Alternativen zum "Tunnel". Gibt es falsche Kooperation? Nein, die gibt's nicht. .... Die meisten versuchen dem Hund das in der Situation beizubringen, das funktioniert nicht.
Also bringe ich dem Hund die Alternative vor oder nach der Situation bei?! :gruebel:
Und wenn er sie dann kennt, kommt mein Hund in der Situation zu mir und bittet um die Alternative. :irre3:
Mir kommt das Gesagte doch etwas widersprüchlich vor.
Ja, man kann dem Hund durch mantrailing & co eine alternative Jagdsituation antrainieren. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass in einer konkreten Situation, der Hund quasi vor dem Tunnel sitzt, nur der Abbruch hilft.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#35

Beitragvon Ulrike » 28.06.2019, 17:49

Beitrag von Ulrike »

Nach meiner Erfahrung sehe ich es genauso, dass bei einem Hund im Tunnel nur noch der Abbruch hilft.
Einfach deswegen, weil er dann gar nicht mehr in dieser Welt ist, also weder "Irdisches" hört, sieht, erkennt
noch für etwas ansprechbar oder empfänglich ist. Dazu muss er erst mal wieder zurückkommen bzw. zurückgeholt
werden.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#36

Beitragvon jutta » 28.06.2019, 18:25

Beitrag von jutta »

Annette hat geschrieben: 28.06.2019, 07:00 Hat man Alternativen zum Jagdverhalten antrainiert, kennt der Hund Alternativen zum "Tunnel".

Sorry Annette, aber hast du schon einen Hund erlebt, der durch einen Reiz einen Schalter umlegt und dann nicht mehr ansprechbar ist? Glaubst du wirklich, dass der Hund sich genau in so einem Moment erinnert, das da ja was war und auch ganz nett ist?
Wie ich vermute, worauf mich Bettina brachte, ist es bei Elio ja nicht Wild sondern andere Hunde, ev. Neue in seinem Revier. Er sucht sie, will hin, will abchecken und ist dann frustriert, weil er ihn/sie nicht abchecken kann, nicht findet. Wenn es dazu kommt und das ist ja nicht täglich, bleibt mir wohl nichts anderes als ein Abbruch, sei es durch Stehenbleiben oder Richtungswechsel.

Wir trainieren seit Jahren, Elio wird ausgelastet und ja es ist schon viel besser geworden. Letztendlich aber immer erstmal durch den Abbruch der Situation.
Hunde sind Individuen und somit reagiert auch jeder Hund anders auf einen Reiz.

Ich bzw. wir machen uns viele Gedanken und sprechen uns ab, damit wir an einem Strang ziehen.

Und zur professionellen Hilfe hab ich so meine eigenen Gedanken. Niemand kennt meinen Hund so wie ich. Es kann nur allgemeine Vorschläge geben, die man selbst dann auf seinen Hund zuschneidern muss.
Du schreibst alles machbar (mit meinen Worten ausgedrückt), aber mal ganz konkret, wie du genau was geschafft hast, lese ich nicht.
Und es ist immer noch ein Unterschied, ob wir von einer Veranlagung sprechen oder ob ein Hund ne dumme Angewohnheit hat, wie z. B. Kot fressen.

Die meisten versuchen dem Hund das in der Situation beizubringen, das funktioniert nicht.

Das verstehe ich nicht. Ich muss doch dem Hund genau dann zeigen, dass das so nicht läuft. Und er muss ja erstmal wieder ansprechbar sein, damit ich dann bei ihm bereits Erlerntes abrufen kann.
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#37

Beitragvon Gast » 28.06.2019, 20:15

Beitrag von Gast »

Ja, ich habe schon ganz viele Hunde erlebt, die sich genauso verhalten und viele Hundehalter, die verzweifelt versucht haben, über Jahre ihrem Hund dieses Verhalten abzugewöhnen. Das funktioniert in den wenigsten Fällen. Ansonsten würde ich so etwas nicht schreiben: wäre ich der Überzeugung, dass man da nichts machen kann, dann würde ich mir wohl kaum die Mühe machen, solche lange Texte zu verfassen.
Und um diese Ziele zu erreichen, mußte ich mich von dem, was ich bisher an Trainingsmethoden kannte, komplett verabschieden.
Mir wird nicht gelingen, was ich in Seminaren über mehrere Monate erlernt habe, hier zusammen zu fassen. Es sei denn, ich würde ein Buch darüber schreiben und das wäre dann auch nicht so invidiuell genug, dass jeder Mensch und jeder Hund damit zurecht käme.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#38

Beitragvon jutta » 28.06.2019, 20:29

Beitrag von jutta »

Theorie und Praxis...
Ich werd aus deinen Worten nicht klug.
Du schreibst ja es geht, kannst aber nicht sagen wie? Was sollen wir denn daraus ableiten?
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#39

Beitragvon Gast » 28.06.2019, 22:16

Beitrag von Gast »

jutta hat geschrieben: 28.06.2019, 20:29 Theorie und Praxis...
Ich werd aus deinen Worten nicht klug.
Du schreibst ja es geht, kannst aber nicht sagen wie? Was sollen wir denn daraus ableiten?
Nein Jutta, ich kann Dir kein fertiges Trainings-Plan liefern, denn ich bin kein ausgebildeter Trainer. Wäre ich dazu in der Lage, dann hätte ich nicht selbst einen Trainer in Anspruch genommen. Zumal Du ja anscheinend auch mit professionellen Trainern ein Problem hast, da nur Du Deinen Hund kennst. Wie soll ich Dir dann als Laie, der weder Dich noch Elio kennt, ein fertiges Konzept liefern? :nixweiss:
Ich habe lediglich versucht, meine Erfahrungen zu schildern. Ein Training, das über Monate dauert, hier niederzuschreiben, dazu fehlt mir leider die Fähigkeit. Zumal dieses Training halt nicht "von der Stange" geliefert wird, welches man dann auf sich selbst anpassen muss, sondern der Trainer individuell auf Mensch + Hund eingeht. Kann man glauben - muss man nicht. Man kann es nur selbst ausprobieren, um beurteilen zu können, ob es tatsächlich so ist, oder halt nicht. Ich habe mit der Methode in den letzten Monaten bei Kondi viel erreicht, trotz des hohen Alters. Auch das kann man glauben, muss es nicht. Es gibt hier ja auch nur wenige, die mich und Kondi live und in Farbe kennen. Die vielleicht die Veränderung sehen. Sowohl bei mir selbst, als auch bei Kondi.
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#40

Beitragvon Gast » 29.06.2019, 07:39

Beitrag von Gast »

Annette hat geschrieben: 28.06.2019, 22:16 Ich habe mit der Methode in den letzten Monaten bei Kondi viel erreicht, trotz des hohen Alters. Auch das kann man glauben, muss es nicht.
Keine Frage, Annette, das glaube ich dir. 100%ig.
Aber könnte/müsste/sollte es vielleicht eventuell möglicherweise nicht doch eher "wegen des hohen Alters" heißen? :afraid: :gruebel:
Wir haben hier in der Nachbarschaft einen gleichaltrigen Beagle namens Toby. Dem könnte man einen Hasen, ein Reh oder auch einen anderen Hund direkt vor der Nase lang laufen lassen, der käme, im Gegensatz zu früher, gar nicht mehr auf die Idee, da hinterher zu laufen.
Und nein, das liegt nicht an seiner Nase. Leckerchen riecht er immer noch, auch gegen den Wind. :winkgrin:
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#41

Beitragvon Gast » 29.06.2019, 08:08

Beitrag von Gast »

Beagledaddy hat geschrieben: 29.06.2019, 07:39 Aber könnte/müsste/sollte es vielleicht eventuell möglicherweise nicht doch eher "wegen des hohen Alters" heißen? :afraid: :gruebel:
Alles kann, nichts muss - jeder Hund ist anders. Ich kenne auch ältere Fellkinder, die bis zum Schluß ihren Jagdtrieb nicht verlieren. Bei Kondi nie ein extrem ausgeprägter Jagdtrieb vorhanden war, bei unserer verstorbenen Amy halt schon. Wir hatten dafür z.B. extreme Probleme bei Hundebegegnungen. Und dieses Problem hat sich mit zunehmendem Alter entwickelt: war Kondi in den ersten Jahren problemlos, fingen die Probleme vor 3 Jahren an. Da war Kondi schon über 10 Jahre alt.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#42

Beitragvon Karin » 29.06.2019, 08:37

Beitrag von Karin »

Annette hat geschrieben: 28.06.2019, 22:16Ich habe lediglich versucht, meine Erfahrungen zu schildern. Ein Training, das über Monate dauert, hier niederzuschreiben, dazu fehlt mir leider die Fähigkeit. Zumal dieses Training halt nicht "von der Stange" geliefert wird, welches man dann auf sich selbst anpassen muss, sondern der Trainer individuell auf Mensch + Hund eingeht.
Keiner erwartet, dass du hier ganze Trainingspläne erstellst, liebe Annette, trotzdem muss dein Training, dass wie du selbst schreibst nicht "von der Stange" geliefert wird, besondere Ansätze bieten, die anscheinend besser funktionieren, als andere Trainings. Was macht dieses Training so besonders und individuell, dass so schnell so gute Erfolge erzielt werden können, wie du in deinem Tagebuch mal berichtet hast? Worauf genau basiert es? Das würde mich auch interessieren. Allein die Tatsache, dass das Training "individuell auf Mensch und Hund zugeschnitten ist", kann es nicht sein - das ist mittlerweile in vielen Hundeschulen so.


Sicher kann man einem Hund Alternativen zu allem möglichen antrainieren und sorgfältig aufgebaut ist ein solches Training bestimmt auch hilfreich in vielen Situationen. Aber dass die Alternative auch direkt funktioniert, wenn Hund bereits im Tunnel ist, das bezweifle ich ebenfalls sehr stark.


Ich finde es super, wenn du und Kondi mit eurem Training so zufrieden seid, Spaß daran habt und so schöne Erfolge erzielt habt. Das ist wirklich toll. Jedoch kann man - meiner Meinung nach - auch hier nicht von sich auf andere schließen.
Gast

Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#43

Beitragvon Gast » 29.06.2019, 11:36

Beitrag von Gast »

Das Training basiert auf "trainieren" statt dominieren. Erklärt wird nicht nur, wie man ein Training im einzelnen so kleinschrittig wie möglich aufbaut, sondern auch sehr viel Hintergrundwissen: was spielt sich "im" Hund ab, wenn er z.B. einer Spur hinterher geht und welche Alternative kann ich ihm antrainieren. In klassischem Hundetraining versucht man, dem Hund das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Ich überlege mir: was soll der Hund statt des unerwünschten Verhaltens tun? Wie soll er sich genau in diesem Moment verhalten. Und genau dieses Verhalten trainiert man.
Das Training beginnt in der Regel zuhause, in reizarmer Umgebung. Hundetraining, wie man es von den klassischen Hundeschulen kennt: nämlich auf dem Hundeplatz, findet so gut wie überhaupt nicht statt.
Hat der Hund z.B. während der Gassirunde ein Problem: beginnt man alternatives Verhalten zuhause zu trainieren. Markersignal und Markerwörter werden konditioniert. Leckerchenspiele sind z.B. ein Bestandteil für die Gassirunde. Die Spiele übt man erst zuhause, dann werden sie als "Inseln" in die Gassirunden integriert. Es wird je nach Problem empfohlen, One-Way-Strecken zu laufen, damit der Hund unterwegs entspannter bleiben kann. Wichtig für mich: gewaltfreies Training. Es gibt nicht mal mehr ein Leinenruck. Man verwendet in der Regel immer eine Leine, die mind. 5 Meter lang ist. Damit der Hund immer wo es möglich ist, genügend Bewegungsfreiheit hat.
Und ganz zu Anfang steht fast bei jedem Hund Entspannungstraining. Also alles Dinge, die mit der eigentlichen Problematik nichts zu tun haben. Um zu begreifen, warum die Trainer diese Methode so erfolgreich anwenden, muss man sich das halt alles vom Profi erklären lassen.
Viele Trainer bieten auch eine kostenlose Stunde zum kennenlernen und erklären an. Danach kann man entscheiden, ob diese Trainingsmethode überhaupt zu einem selbst passt. Der Mensch steht bei dieser Art von Training auch erstmal im Focus. Gute Trainer sind ehrlich: hat man den Eindruck, der Mensch kann sich nicht auf diese Art von Training einlassen, wird man darüber reden und entscheiden, ob eine Zusammenarbeit überhaupt sinnvoll ist.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#44

Beitragvon Karin » 29.06.2019, 12:39

Beitrag von Karin »

Vielleicht reagiere ich auf deine Erläuterungen nicht so enthusiastisch, weil ich scheinbar eine gute Trainerin habe und es so gewohnt bin :winkgrin: . Ich kann in deinen Beispielen nichts wirklich "neues" finden - so arbeiten wir im Großen und Ganzen auch. :nixweiss:

Du betonst, dass der Mensch bei diesem Training "auch im Fokus" steht, aber das ist doch eigentlich klar: Bei den meisten "Problemen" (nicht nur mit Hunden, auch im Training mit Pferden z.B....) liegt die Ursache beim Zweibeiner.

Kritik am Hundeplatz kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen: Der Hundeplatz ist bei uns der Treffpunkt für die Gruppenstunde, wo Übungen erklärt und geübt werden. Auch da wird schon auf die einzelnen Hund/Mensch Paare eingegangen. Dass die Übungen dann zuhause in der gewohnten Umgebung bzw. auf den Gassirunden geübt werden müssen, ist doch logisch, auch dass Übungen zuerst in reizarmer Umgebung gestartet werden und man sich kleinschrittig "hocharbeitet". Und wenn ich es wünsche oder für notwendig erachte, kommt die Trainerin auch gerne vor Ort. Ich bin, was das nacharbeiten der Übungen angeht, nicht mehr so gewissenhaft wie früher und deshalb auch nicht immer so "erfolgreich" in der Zusammenarbeit mit meinem kleinen Dickschädel, - aber das liegt an mir und nicht am Training.

Gewaltfreies Training ist für mich und in meiner HuSchu auch eine Selbstverständlichkeit.

Klar, es gibt sie noch, die Hundeschulen, in denen einmal die Woche dem Hund auf dem Exerzierplatz "Zucht und Ordnung" beigebracht wird. Aber die Angebote für ein gewaltfreies Training sind heutzutage vielfältig. Einigermaßen intelligente und engagierte Hundehalter können da ganz gut selektieren und das richtige Training für sich finden.


Ich werde immer etwas skeptisch, wenn ein bestimmtes Training / ein bestimmter Trainer zum Nonplusultra gemacht wird - das kenne ich schon aus der Pferdeszene und verläuft gerade ähnlich bei den Hundetrainern. Ich habe mir bisher einiges an Training angeschaut und mir rausgepickt, was für mich logisch und umsetzbar war und bin damit nicht schlecht gefahren. Den Jagdtrieb von Bill werde ich aber niemals so beeinflussen können, dass ich noch eingreifen könnte, wenn er - um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen - bereits in den "Tunnel" geraten ist. Kurz vorher kann ich unter Umständen eine bevorstehende unerwünschte Reaktion noch beeinflussen, wenn ich schnell genug bin und in der Lage, die Situation im voraus zu erkennen, was bei Spuren, die ich weder sehen noch riechen kann (letzteres glücklicherweise! :crazy: ) allerdings vergessen kann.
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Re: Wie bekommt man einen Beagle aus diesem Tunnel?

#45

Beitragvon jutta » 29.06.2019, 13:08

Beitrag von jutta »

Danke Annette, dass du dir die Mühe gemacht hast.
Mir gehts wie Karin, all das ist nichts Neues und wird von mir schon viele Jahre und erst recht bei Elio so praktiziert.
Das einzige was wir nicht machen ist das Entspannungstraining, weil ich auf Ruhe und Entspannung im Umgang mit Elio von kleinauf geachtet habe. Er ist auch kein hibbeliger Hund, manchmal etwas grössenwahnsinnig, aber das ist für mich etwas Jugendliches.
Ansonsten gilt für mich/uns, immer reflektieren und auch selbstkritisch sein.
Spaziergänge sind bei uns sehr abwechslungsreich und trotzdem passiert es. Ich kann den Hund ja nicht 90 Minuten am Stück Action bieten, denn das wäre ja, was die Entspannung angeht, auch wieder kontraproduktiv.
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